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Hans-Werner von Bülow - in memoriam
Chuzpe und Charisma
Am 17. März 2009 ist Hans-Werner v. Bülow im Klinikum Garmisch-Partenkirchen sanft entschlafen.
Chuzpe und Charisma kennzeichneten seinen Lebensweg.
Am 18. September 1911 wurde er auf einem Rittergut nahe bei Danzig geboren. Die schwächliche Gesundheit der Kinder ließ die Eltern aber in Werdenfels nach einem gesünderen Umfeld suchen. Nach dem Ersten Weltkrieg verkauften sie ihr Gut und erwarben zunächst das Hospiz „Reintaler Hof“.
1922 zogen sie nach Mittenwald und hier baute die energische und geschäftstüchtige Mutter das Hotel Karwendel auf, lange Zeit das führende Haus am Ort.
Hans-Werner widmete sich dem Studium der Jurisprudenz in Göttingen und Leipzig, dem Schöngeistigen gleichermaßen verpflichtet. Der überzeugte Antimilitarist, nach Kriegsausbruch zum Landrat in Ostpreußen befördert, rettete durch gekonnte Insubordination viele Menschenleben. Nach dem kriegsbedingten Verlust seines Kreises erwarb er sich militärische Verdienste als Hundeführer, wie er schmunzelnd berichtete, denn jegliche Beförderung in der Naziarmee hatte er ausgeschlagen.
Als Hotelier und Rechtsanwalt entwickelte er sich im Nachkriegs-Mittenwald zu einer der zentralen Persönlichkeiten der Gesellschaft. Von den auf die Mission für die Lions-Idee reisenden Schweizern wurde er als katalytische Persönlichkeit ausgemacht, und vom lionistischen Idealismus infiziert organisierte v. Bülow 1957 die Gründung des Lions Clubs Mittenwald aus dem Prominentenkreis, der sich bei ihm im Hotel Karwendel regelmäßig traf. Zum Gründungspräsidenten machte er die lokal beliebte väterliche Gestalt des Kunstmalers Josef Meindl.
Zur karitativen Hochform lief v. Bülow auf, nachdem er für 1964/65 zum Distrikt Governor gewählt worden war. Die grundlegende Erforscherin von Kinderrheuma als eigenständigem Krankheitsbild, Prof. Dr. Elisabeth Stoeber, hatte ihn zuvor davon überzeugt, dass es für die Behandlung dieser schlimmen Krankheit einer eigenen Klinik bedürfe. Mit intensivstem persönlichem Einsatz brachte er Lions Clubs in ganz Deutschland dazu, die damals sensationell hohe Spende von 1 Million DM für den Klinikbau aufzubringen. Dieser massive Anschub überzeugte auch die „Rummelsberger Anstalten der inneren Mission“ als Sachaufwandsträger. Noch überzeugender war allerdings, dass er 1968 den für den Klinikbau notwendigen Grundstückstausch mit der Bundesbahn ohne jegliche Vollmacht listenreich eingefädelt hatte. Als dann nochmals Bedenkenträger alles abzuwürgen drohten, ließ er Bagger auffahren und er inszenierte einen Baubeginn, der weder genehmigt noch von Rummelsberg angesagt war. Er siegte. Die Klinik wurde gebaut und entwickelte sich zum weltweiten Vorzeigeprojekt.
V. Bülow wurde u.a. mit dem „Melvin Jones“ und mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet sowie mit dem Orden „Pro meritis“, der höchsten Ehrung des Distrikts Bayern Süd. Als Repräsentant für das lionistische Engagement für die Rheumakinder und als Mitglied im Ehrenausschuss, vor allem aber als höchst geistreicher Redner war er als lionistisches Urgestein im Lions-Kabinett fest verankert bis ihn die nachlassende Gesundheit jenseits der 96 zum Zurückstecken zwang.
Sein florierender Nachlass ist der Verein „Hilfe für das rheumakranke Kind e.V.“ der als Lionshilfswerk seit 1966 die Rheuma-Kinderklinik in Garmisch-Partenkirchen höchst erfolgreich unterstützt.
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